Was macht die Kunst?! Konzertplakate von Mara Piccione

Konzertplakate… Das waren nicht immer Kunstwerke. Plattencover waren von jeher immer mehr oder weniger künstlerisch wertvoll gestaltet. Dem schnöden Informationsaushang, wann und wo sich eine Band die Ehre geben wird, wurde vielmals, selbst bei namhaften Musikvertretern, kein großes Augenmerk geschenkt. Nicht so in Groningen, in den Niederlanden, wo der Kult-Club Vera seit jeher auf erstklassige Konzertwerbung setzte. In diesem Club hat die niederländische Rockposterszene ihre Basis.

mara_piccione_the_tallest_man_on_earthpiccione-nl

mara_piccione_the_durango_riotpiccione-nl

mara_piccione_sebadohlow-magazine-com

mara_piccione_deuslow-magazine-com

Die Illustratorin Mara Piccione entdeckte als Jugendliche den Klub Vera und damit die exklusiv-gestalteten Konzertplakate. Dies ließ ihren Entschluß reifen, die Kunstschule zu besuchen. Seit 1999 arbeitet sie mit dem Medium Siebdruck. Siebdruck macht Kunst erschwinglich, was die Künstlerin sehr schätzt. Sie hat sehr viele Plakate für die Konzerte im Vera gestaltet und gedruckt. Mara ist ein Aushängeschild der europäischen Rockposterszene. Sie illustrierte viele dutzende Plakate für bekannte Independent-Bands, zeichnet Illustrationen für Magazine und Bücher und erstellt Plattencover.

mara_piccione_the_tallest_man_on_earthlow-magazine-com

mara_piccione_harammyspace-com_veraclubgroningen

mara_piccione_good_shoeslow-magazine-com

mara_piccione_brito_union_townmyspace-com_veraclubgroningen

Mara Piccione schafft mit ihren stark abstrahierten Formen eine sofortige Emotionalität. Flächig und mit wenigen kontrastierenden Farben erscheint ihr Werk. Die Figuren wirken ungelenk und ihr Dasein unbequem. Oft sind es Mensch-Tier-Hybriden, die den düsteren, verworrenen aber oft auch zärtlichen Seelenlandschaften ihrer Protoagonisten Ausdruck verleihen. Die Bildmotive haben manchmal inhaltliche Bezüge zum Bandnamen, manchmal erschließt sich das Motiv auch erst durch einzelne Songs oder Zitate aus dem Schaffen der Musiker. Sie sind etwas melancholisch aber auf eine freundliche Art.

mara_piccione_a_place_to_bury_strangerslow-magazine-com

mara_piccione_free_moral_angelspiccione-nl

Fünfzehn bis zwanzig verschiedene Plakate, meist für Konzerte von Indie-Bands, gestaltet und druckt Mara Piccione im Jahr. Dazu entstehen viele weitere Illustrationen. Beides ist über ihre Internetseite www.piccione.nl zu erwerben. Die Qualität ihrer Konzertplakate hat nichts mehr mit einem Informationsaushang gemeinsam. Diese Plakate sind eigenständige Kunstwerke, die auch ohne den Band-Bezug Inhalte und Emotionen transportieren und von großem Können zeugen.

mara_piccione_brito_recordcoverpiccione-nl

mara_piccione_black_everest_recordcoverpiccione-nl

 

Was macht die Kunst?! Victor Castillo

Frustration und Wut als Antriebsfeder für künstlerisches Schaffen kommt ja häufiger vor. Manch wunderbares Buch ist schon aus genau diesen Motiven entstanden, bei denen der Autor 20 Jahre später auf seine von diesen elementaren Empfindungen geprägte Jugend zurückblickt, diese schonungslos offen zu Papier bringt und sich damit einen Stern am Literaturhimmel sichert. Der chilenische Maler Victor Castillo benennt ebenfalls enttäuschende Erfahrungen in seinem Heimatland als prägend für seinen Stil aus Frustration und Wut. Er paart ihn mit einem sehr dunklen Sinn für Humor.

Ausschnitt_Un-tornado-arrazo-mi-ciudad-y-mi-jardin-primtivo_2008@low-magazine.com

ShesUnreal_2015@jonathanlevinegallery.com

Another-One-Bites-the-Dust-2013@weandthecolor.com

Castillo ist ein Pop-Surrealist mit erkennbar stilistischen Referenzen an Vintage-Comics, Animationen und populäre Medien. Seine Werke verweben auf sinnbildliche und erzählerische Weise die aktuellen Weltkrisen zu post-apokalyptischen Darstellungen – Gier, Chaos, Brutalität und Zerstörung sind häufige Themen in seiner Arbeit. Die Protagonisten seiner Bilder sind Kinder mit leeren Augen, eine Metapher des Künstlers für Ignoranz. Nach eigenen Aussagen ist der Maler an der Schaffung zugänglicher Kunst interessiert, er selbst sei keine finstere Person, wenngleich seine Arbeiten auf gegenteiliges schließen lassen könnten. Victor Castillo vergleicht seine Arbeit auch mehr mit der eines Musikers anstelle der eines Intellektuellen: Als er Kunst studierte, fühlte er, daß ihn das formte aber auch beschränkte. Die Wut darüber machte ihn zum Kunstrebell. Er versuchte einen gewissen Abstand zu Theorie und den Institutionen zu erlangen und Werke zu schaffen, die nicht für Theoretiker und Intellektuelle sondern für jedermann gedacht sind.

That-Terrible-Beauty-2015@lookateral.com

STRANGE-FICTION-2014@hoyesarte.com

Quien-es-la-mas-bella-2011@spacejunk.tv

Victor Castillo erkundet die menschliche Natur in ihrer Gesamtheit: das Grauenvolle und das Hoffnungsvolle. „Ich denke, dass die Brutalität die Gesellschaft geprägt hat trotz der Tatsache, dass es große Künstler, Wissenschaftler, Intellektuelle gegeben hat… Was überwiegt sind die Interessen einiger weniger, die anstatt eine Gesellschaft mit nachhaltiger Zukunft zu schaffen die Gesellschaft direkt in Richtung Kollaps stürzen.“ Was Castillo in seinen Bildern in Bezug auf Macht zeigt, reflektiert seine Vision der Wirklichkeit. „Ich glaube, dass die Welt ein wunderbarer Ort ist, der beschädigt wurde. Das Leben ist schön, aber das soziale System ist beschädigt und pervers. Es gibt keine Macht ohne Verschwörung. Wir sind dafür verantwortlich, was durch unsere Handlungen und Unterlassungen geschieht. Zum Beispiel der Krieg – er ist eine der größten schrecklichsten Verschwörungen, und ich bin der Ansicht von Noam Chomsky, wenn er sagt, dass in diesem Land, wenn alle Bürger aufständen und Nein zu Krieg sagten, wäre es nicht möglich, in andere Länder einzumarschieren.“

Lie-to-me_2008@low-magazine.com

Hollywood_dreams@artsy.net

Moonshadow-2009@low-magazine.com

Blindheit, im Sinne von Unwissenheit, ist ein großes Thema in Victor Castillos Arbeiten. Seine blinden Augen gehen auf Karikaturen aus den 40ern und 50ern zurück. Diese maskenhaften schwarzen Flecken lassen jegliches Bewußtsein vermissen. Er malt vordergründig Kinder, die als Spiegelbilder der Betrachter dienen. Die Welt der Kinder und die der Erwachsenen sind getrennte Universen. Doch ist die Kinderwelt nicht frei von Indoktrination und die beschädigten Erwachsenen werfen ihre Schatten hinein.

Written-Forgotten-2014@wowxwow.com

Victor Castillo wurde 1973 in Santiago de Chile geboren und wuchs unter der Militärdiktatur Augusto Pinochets auf. Seine Werke sind geprägt von den düsteren Zeiten seines Landes, von der Unterdrückung, der Zensur und der Verfolgung, aber auch vom starken Einfluß der USA und deren Kultur auf Chile in dieser Epoche. Ab 1991 besuchte er verschiedene Kunstschulen. Er verließ sie alle, enttäuscht, bis er auf der schlechtest möglichen endete: Die Katholische Schule der Künste (ARCIS). Die Unvereinbarkeiten waren so groß, daß er schließlich von dort verwiesen wurde. „Sie können sich vorstellen, wie es sich anfühlt, Kunst in einem Ort zu studieren, wo man nicht über Sex, Religion oder Politik reden kann. Es macht keinen Sinn. “ 2004 kam Castillo nach Barcelona, Spanien. 2010 zog er nach Los Angeles, wo er heute lebt und arbeitet.

Pure_Pleasure_2014@victor-castillo.com

Was macht die Kunst?! Céline Germés

Die Bilder von Céline Germès sind mir beim Frühjahrsrundgang in Leipzigs Spinnerei aufgefallen. Dort wurde ich in eine Bildwelt hineingezogen, die mich spontan an Filmdokumentationen über Unruhen in einigen europäischen Großstädten vor kurzer Zeit erinnerten. Wütende Jugendliche auf den Straßen von Kopenhagen oder Paris, die Schaufenster einschlugen und Feuer legten. Rauch- und Nebelschwaden auf dunklen Straßen waren wie die Fußabdrücke der gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Genau so sieht die Kulisse auf Céline Germès Bildern aus. Undeutlich, verzerrt, voller Nebel – wie mit unruhiger Hand mit dem Handy fotografiert.

Celine_Germes_Street4_2016@galeriemokum.com

Celine_Germes_Street5_2016@galeriemokum.com

Celine_Germes_Street3_2016@galeriemokum.com

Celine_Germes_Street2_2016@galeriemokum.com

Celine_Germes_Street1_2016@galeriemokum.com

Dazwischen gibt es Werke, die die Protagonisten deutlich zeigen. Auflehnung, Gruppendynamik – inszenierte Jugendkultur. Der Stein wurde geworfen, das Pferd ist gestürzt. Momentaufnahmen, die in stimmungsvolles Licht getaucht vorm Dunklen der Nacht an Theaterszenen erinnern. Oder an Fotografie. Doch mit der Fotografie hat die Künstlerin aufgehört, weil das Medium digitalisiert wurde. Die Unmittelbarkeit, der Überraschungsmoment ging verloren.

Celine-Germes-UntitledCrowd_2013@galeriemokum.com

Celine_Germes_Sortie-de-scène-2-2015@galeriemokum.com

Celine_Germes_Sortie-de-scène-1_2015@galeriemokum.com

Celine_Germes_Horse_2015@galeriemokum.com

Céline Germès arbeitet mit verschiedenen Vorlagen aus Zeitungen oder Internetdatenbanken. Das können Zeugnisse historischen Geschehens oder auch private, aus dem täglichen Leben herausgezogene, Erinnerungen sein. „Die Zeit ist auf meiner Seite. Bilder sind in Bewegung – immer.“, sagt die Künstlerin. Sie malt, um den Fluß der Bewegung einige Zeit lang aufzuhalten, ihn einzufrieren und zu analysieren. Der Blick bleibt fotografisch neutral. „Die Handlung erscheint da, wo die Gesten verschwinden.“

Celine_Germes_Untitled_Window_2013@cargocollective.com

Céline Germès wurde 1978 geboren. Sie hat an der Kunsthochschule in Marseille (Frankreich) studiert. Sie lebt und arbeitet heute in Leipzig und Toulouse.

 

Was macht die Kunst?! Kai Samuels-Davis

Irgendwann einmal werde ich mich an Portraits satt gesehen haben. Irgendwann. Doch nicht heute. Die Gesichter, die Kai Samuels-Davis uns in seinen Arbeiten zeigt, sind ja auch gar nicht da. Sie wenden sich ab, sind nicht lesbar.

K_S_D_TheSearch,-Beginning2014_IntoUnconscious2015@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_HeadToTheGround2014_ADeepBreath2015@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_TheWait2015_TheSkyBelow2013@www.kaisamuelsdavis.com

Der Künstler hat die Gesichter seiner Protagonisten fragmentarisiert, sie in Bewegungen unkenntlich gemacht oder schlichtweg partiell mit Farbe verdeckt. Doch bevor das sein Markenzeichen wurde, hat Kai Samuels-Davis genau hingeschaut. Seine früheren Arbeiten zeigen einen direkten Blick auf die Emotionen seiner Portraitierten. Emotional berührende Gesichter schauen den Betrachter an. Und wenden sie sich ab, erkennt man dennoch in ihrer Mimik eine komplexe Gefühlswelt. Die späteren Arbeiten sind geprägt von Verzerrungen, die den Balanceakt zwischen Verstörtheit und Klarheit betonen. Die Personen sind nicht mehr greifbar, schwanken zwischen geistig und körperlich. Es sind komplexe, melancholische Portraits.

K_S_D_ByMorningLight2015_TheForgotton2014@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_AnotherPlace2015_TheMemory2015@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_TheDecision2013_TheBeginning2013@www.kaisamuelsdavis.com

Kai Samuels-Davis ist ein aus New York stammender Künster, der an der State University of NY Kunst studiert hat. Er ist der Ehemann der Malerin Clare Elsässer, mit der er in Inverness, Californien lebt.

K_S_D_WithTiredEyes2012_TheSuppression2011@www.kaisamuelsdavis.com

K_S_D_TheOtherV2010_TheReflectedII2009@www.kaisamuelsdavis.com

Was macht die Kunst?! Janusz Grünspek

Janusz Grünspek macht „Zeichnungen im Raum“. Er kreierte Nachbildungen von Alltagsgegenständen mit Hilfe dünner Holzstäbchen, die er mühevoll aneinander klebt. Ein MacBook, ein Espressokocher, ein Kronleuchter und auch ganze Möbelstücke formte er aus dem zerbrechlichen Material. Die dreidimensionalen Kunst-Objekte aus Schaschlikstäbchen erscheinen fast schwerelos.

Zeichnungen_im_Raum_Atelier@januszgruenspek.de

Janusz Grünspek wurde 1970 in Wodzisław in Polen geboren. 1989, als gerade 18-Jähriger,  reiste er aus Polen aus. In den 1990ern studierte er an der Hogeschool voor de Kunsten in Arnhem (NL). Dort erlernte er die traditionellen Techniken und begann mit diesem neuen Handwerkszeug auch zu arbeiten. 2006 führte er seine Erfahrungen, Erlebnisse und eigenen Gedanken gar in einem humorvollen „Ratgeber für Künstler“ zusammen. Seit 1998 lebt und arbeitet Grünspek in Kleve.

Plattenspieler(SL1210)_MK2_2015@januszgruenspek.de

Trittroller_2009@januszgruenspek.de

WalthamW104_und_AudiocassetteC60_2011@januszgruenspek.de

Farbeimer_Farbrolle_Pinsel_2009@januszgruenspek.de

Janusz Grünspeks Arbeiten lassen den Betrachter einen neuen Blick auf die Dinge gewinnen. Es entstehen Objekte, die Freude wecken, wenn man sie wiedererkennt und ihrer skulpturalen Zartheit und Leichtigkeit wegen nun neu zu sehen beginnt. Auffallend ist die große Liebe zum Detail. Auf der Suche nach seinem Material experimentierte der Künstler zuerst mit Zündhölzern, mit denen er eigenständige Objekte gestaltete, die ihm jedoch bald zu klein wurden. So wandte er sich schließlich den jetzt verwendeten feinen Holzstäben zu, die er in einem handwerklich anspruchsvollen Verfahren mit Heißkleber zusammenleimt, unter Dampf biegt und schließlich zu teilweise zimmerhohen filigranen Objekten des Alltags komponiert.

MacPowerBook_2009@januszgruenspek.de

Espressokocher_2011@januszgruenspek.de

Die_Krone_2015@januszgruenspek.de

BauerT30_2011@januszgruenspek.de

Marker_2015@januszgruenspek.de

Was macht die Kunst?! Nicole Kegel

Und wieder ein Fundstück aus Leipzig. Ja, ich habe eine besondere Beziehung zu der Stadt. Und zu ihren Künstlern. Bei einem Aufenthalt in der Leipziger Spinnerei habe ich die Arbeiten von Nicole Kegel entdeckt, die dort ihr Atelier hat.

NicoleKegel-Train2013

NicoleKegel-Sidewalk2014

Ihre Bilder sind von einer herrlichen Melancholie getragen. Einsamkeit und poetische Verklärtheit ergießen sich auf die Leinwand – in meinem Kopf spielt eine Ballade. Die Figuren sind zerbrechlich, die Straßen menschenleer, es ist Winter und immer wieder Flugzeuge. Aneinandergereiht ergäbe sich ein klasse trauriger Film und tatsächlich verwendet Nicole Kegel teils Filmstills- oder Fotos als Vorlage.

NicoleKegel-Aeroplane2014

NicoleKegel-H2012

NicoleKegel-Heimat2015

NicoleKegel-Justine2014

Nicole Kegel hat Malerei an der HGB (Hochschule für Graphik und Buchkunst) in Leipzig bei Professor Arno Rink und Neo Rauch studiert. 2001 schloß sie ihr Studium erfolgreich ab, nachdem sie Meisterschülerin bei Arno Rink war.

NicoleKegel-L2012

NicoleKegel-OhneTitel2000

NicoleKegel-OhneTitel2012

NicoleKegel-OhneTitel2012_02

Was macht die Kunst?! Daniel Horowitz

Ich war im vergangenen Herbst beim Galerierundgang auf dem Spinnereigelände in Leipzig. Dort wird das sog. LIA – das Leipzig International Art Programme – praktiziert. Hierbei werden internationale Künstler aus allen Disziplinen gefördert. Die Künstler bekommen eins von fünf möblierten Ateliers à 83 qm als Arbeits- und Wohnraum für einen Zeitraum von drei oder sechs Monaten. Es finden drei Spinnereirundgänge (Januar, April, September) und eine Sommer- und Winterausstellung (Juli, Dezember) auf dem Gelände statt, bei denen sich die LIA-Künstler präsentieren. Zudem steht jedem Künstler die Teilnahme an einer kuratierten Gruppenausstellung zu. Die Wirkungsstätte von Daniel Horowitz war im letzten September solch ein LIA-Atelier. Ich war da und entdeckte den für mich bis dato unbekannten Künstler.

Daniel_Horowitz_01

Daniel_Horowitz_06

Daniel_Horowitz_09

Daniel Horowitz malt, zeichnet, fertigt Collagen und Installationen. Seine Kunst verbindet Realismus und Surrealismus. In seinen Bildern drücken sich teils gesichtslosen Menschenfiguren gegen bizarre Landschaften und Architektur in fantastischen Szenen. Gegenstände und Körper sind verdreht oder überstreckt und verschmelzen zu surrealen Figuren. Horrowitz verändert die ursprüngliche Natur von Objekten hin zu unstimmigen Figurenpaarungen. Kopf ergießt sich in Milch, Arm wird Bein, Schnauze wird Faden, Beine erstarren zu Kristallen und ein Trekker erntet die Deplphinfrau. Zudem finden sich noch ein paar humorvolle Seitenhiebe, Traumvorstellungen und Deutungsspielerein – alles zusammen das, was mich seit jeher an den Künstlern der Neuen Leipziger Schule begeistert.

Daniel_Horowitz_04

Daniel_Horowitz_07

Daniel_Horowitz_08

Der Künstler selbst sieht seinen Ausflug nach Leipzig so: „Ich entschied mich ostwärts zu gehen, um das Spannungsfeld des Eigenartigen und des Profanen zu entdecken und zu beschreiben. Dieses Projekt (LIA) ist das Protokoll eines Malers der eine Fahrt rückwärts zur alten Welt in das Unheimliche macht. Zu einem Ort vieler Paradoxien; Ideale und Albträume, Sozialismus und Kapitalismus, Romantik und Realismus, gruselige Monster und Supercreeps. In Leipzig kommen diese Eigenarten zum Tragen.“

Daniel_Horowitz_05

Daniel_Horowitz_02

Daniel_Horowitz_03

Daniel Horowitz ist nicht nur Maler, er ist auch Illustrator. Er erfreut sich bereits größter Beliebtheit bei Zeitschriften und Verlagen in den USA, hat in der New York Times, in GQ, im The Wall Street Journal und dem American Reader veröffentlicht. Daniel Horowitz wurde 1978 in New York in eine künstlerische Familie mit osteuropäischem Hintergrund geboren. Als Kind hatten die Werke der sog. Polnischen Schule des Plakatdesigns einen enormen Einfluss auf ihn. Unter sowjetischer Besatzung beauftragte der Staat Poster von den führenden Künstlern Polens für Theater, Zirkus und – oft westliche – Filme. Diese Filmplakate sind mittlerweile legendär für ihre Schönheit, Eleganz und vor allem individuelle Interpretation. Das Plakat war weniger Werbung als Interpretation des Films. Fürwahr fällt es schwer ein weiteres Beispiel in der Geschichte zu finden, bei dem die Linien zwischen Malerei, Grafikdesign und Illustration so verschwinden. Im Laufe der Zeit entwickelte Horowitz Sehnsucht danach, ähnliche Bilder selbst zu erstellen. Nach dem Abschluß am Art Center College of Design in Pasadena, Californien, USA, 2001 konnte er mehrere Jahre damit verbringen, Unterricht bei den Plakat-Meistern in Warschau zu nehmen und mit ihnen zu arbeiten. Heute lebt und arbeitet Daniel Horowitz in Brooklyn, New York.

Daniel_Horowitz_10

Was macht die Kunst?! Yan Ruilin

„I’m an independent wood-making artist from Taiwan. Enjoy my work, enjoy life.“, so stellt sich der Holz-Künstler Yan Ruilin auf seiner Facebook-Seite vor.

Yan-Ruilin@facebook

Vieles weiß man über den handwerklichen Meister nicht, es gibt nicht viel mehr als besagte Facebook-Seite. Man weiß jedoch, daß er schon mehrere Skulpturen-Serien gefertigt hat, die bereits in Ausstellungen installiert waren. Was man an seiner Figurenserie allerdings zweifelsohne ablesen kann, ist sein großes Wissen über verschiedene Arten von Holz. Er verwendet ganz unterschiedliche Hölzer, kombiniert sie und nutzt ihre Maserungen geschickt für figürliche Effekte. Seine meist um die 20 cm großen Figuren zeugen von naiver Phantasie. Sie sind inspiriert von Fabelwesen, geliebten Kinderbuchcharakteren oder Manga-Comicfiguren. Sie sind unschuldig, sie nehmen einen mit in den Märchenwald, man schließt sie sofort ins Herz.

Yan_Ruilin@facebook_08

Yan_Ruilin@facebook_07

Yan_Ruilin@facebook_06

Yan_Ruilin@facebook_05

Yan_Ruilin@facebook_04

Yan_Ruilin@facebook_03

Yan_Ruilin@facebook_02

Yan_Ruilin@facebook_01

Yan_Ruilin@bumood.com

https://www.facebook.com/細活閻瑞麟木工創作-154152428077527

 

Was macht die Kunst?! Daniel Mullen

Daniel Mullen heißt der Mann, der unten stehende Kompositionen erschafft. Die Arbeiten sind abstrakt, aber dennoch Architektur: wir sehen Kuben, Linien, Perspektiven, die in Architekturzeichnungen verwendet werden. Referenzen an Baupläne und der Flirt mit der Moderne sind beabsichtigt.

Resurrecting-the-Monumental@design-milk.com

Connecting_spaces@danielmullen

Harmonizing_Utopia@danielmullen

Farbe, Tape und Bleistift auf unbehandeltem Canvas, rohe Leinwand, sind die Werkzeuge, die Daniel Mullen dazu dienen, Raum und seine Präsenz zu hinterfragen. Die Arbeit versucht diese durch Bewegung, Fragmentierung und den Einsatz von Perspektive zum Ausdruck bringen. Es liegt im Auge des Betrachters, Ausmaß und Grenzen des Gezeigten festzumachen.

The-architects-retreat@design-milk.com

The-Architect@design-milk.com

Suspended_in_space@danielmullen

„Ich nähere mich meiner Leinwand mit einem räumlichen Bewusstsein für den Aufbau des Bildes, als ob er eine physische Existenz hätte. Das resultierende Bild verschiebt sich hin und her zwischen Solidität und einen flüchtigen Moment des Bewusstseins.“, sagt der Künstler zu seiner Arbeitsweise. „Es ist die angedeutete Art der Strukturen, mit denen ich hoffe, den Betrachter anzuregen um neue Verbindungen herzustellen, die darüber hinaus gehen, was physikalisch möglich ist.“

Spatial_dynamics@danielmullen

Rendering-the-fundamentals@design-milk.com

Daniel Mullen wurde 1985 in Glasgow, Schottland, geboren. Schon als Kind war Mullen von konstruierten Räumen fasziniert, dies in Kombination mit Lego wurde zum Spielplatz für seine Phantasie. Mullen studierte von 2006 bis 2011 in Amsterdam an der Gerrit Rietveld-Universität Malerei. Dort experimentierte er mit Medien und Gegenständen, bis sich ab 2010 seine Interessen und Techniken immer mehr verfestigten zu einer ersten Reihe von Werken, die die Grundlage für sein Schaffen bis heute bilden. Im Jahr 2012 wurde Mullen für den Büning Brongers Preis für Malerei nominiert. Im selben Jahr war er auch einer der Finalisten des TV-Programms de Nieuwe Rembrant. Mullen hat im In- und Ausland, vor allem in New York und Berlin ausgestellt. Im Jahr 2014 wurde er für die Koninklijke prijs für schilder (Der Niederländische Königspreis für Malerei) nominiert.

Constructing-the-tower@design-milk.com

Was macht die Kunst?! Levalet

Ich mag Street Art. Kunst im öffentlichen Raum belebt, eröffnet neue An- und Einsichten und im besten Falle erzählt sie uns etwas. Dinge über den Ort, Dinge über den Künstler oder Dinge über uns und die Zeit in der wir leben. Alles möglich. In Berlin gibt es immer wieder sehr schöne Street Art, ganz oft auch großformatig. Die Arbeiten von Levalet habe ich hier jedoch noch nie gesehen.

15_minutes_of_fame_Paris_2014

Levalet heißt mit bürgerlichem Namen Charles Leval, ist Franzose und wurde 1988 in Epinal im Vogesen-Gebirge geboren. Er wuchs allerdings in Guadeloupe in der Karibik auf. Einem Ort, der ihn erstmalig mit Kunst im urbanen Raum konfrontierte. Nach dem Studium der bildenden Künste in Straßburg, das er 2012 abschloß, begann er seine Arbeiten in den Straßen von Paris zu platzieren.

Rescue_Strasbourg_2015_Minotaure_Paris_2015

Cache-cache_L´ordre_des_choses_Paris_2015

Le_grand_saut_La_Kulturfabrik(LUX)__La_machine_infernale_Paris_2014

Was mich immer wieder bei Levalets Bildern fasziniert, ist, wie sich seine Protoagonisten in den vorhandenen Raum fügen. Es ist nicht nur so, daß sie die umgebende Architektur ein wenig miteinbeziehen, sie benutzen sie, werden teilweise eins mit ihr. Giebel, Vorsprünge, Fenstersimse, Absätze, Zierrat an Häusern und Wänden werden zu einem Teil der Bilder. Nicht selten bewegt sich das in seinen Bildern Erzählte an der Grenze zum Absurden. So werden beispielsweise Ladestationen für Elektroautos zur Elektrotanke für erschlaffte Urbanisten oder die Löschwasserstation in einem öffentlichen Gebäude zum Getränkespender für einen badebemantelten Morgenmuffel. Toll auch seine überraschenden Momente, wie wenn er seine Protagonisten – maskierte Gangster mit Sack und Klebeband – direkt neben einen Fahrstuhl positioniert, so als warteten sie auf den Nächsten, der aus dem Lift steigt, um ihn zu verschleppen. Etwas gruselig, etwas lustig, auf jeden Fall einfallsreich. Allzu gemütlich wird es in Levalets Bildern sowieso nicht. Wir treffen auf Verstörte, auf Deprimierte, auf Leute, die versuchen einer menschenfressenden Maschinerie zu entkommen. Levalet hat ein gutes Auge für alltägliche Absurditäten und zugespitzte Situationen kurz vor ihrer Explosion.

Celle_de_trop_Paris_2015

Reload_Paris_2015

Exode_Paris

Der Künstler schafft auch Werke für den Innenraum, die man gut in Gallerien zeigen kann. Gern nimmt er auch hier Objekte, wie Koffer, Rahmen, Möbel, einen Federballschläger als Requisit, das das Bild entweder begrenzt und damit den Fokus steuert bzw. das direkt ins Erzählte eingreift.

Vanity_case_Doggy_bag_2014

 

Le_castelet_2014_Sur_écoute_2015

Mittlerweile hat Levalet seine Arbeiten in vielen nationalen, internationalen und auch Einzelausstellungen zeigen können. Auf Facebook zeigt er seine aktuellen Werke in vielen Bilderstories.

Chambre_de_l´hypechondrie_Hotel_Graffalgar_Strasbourg_2015